Das Herbarium von Hans Höppner

Das Herbarium Niederrhein 

Hans Höppner „Der Botaniker des Niederrheins“ kam 1903 als Lehrer nach Krefeld. Schon damals war das nahegelegene Hülser Bruch wie auch andere Brücher und Gewässer der Umgebung als floristisch besonders reich bekannt. Höppner begann rasch mit den in mehrfacher Hinsicht grundlegenden Arbeiten für alle späteren botanischen Erhebungen am Niederrhein. Bereits 1907 veröffentlichte er die  “Flora des Niederrheins – zum Gebrauch in Schulen und auf Ausflügen” Hans HÖPPNER (1907). Nach zwei weiteren Auflagen mündete das Werk 1926 in eine Gemeinschaftsarbeit mit Hans PREUSS in der “Flora des Westfälisch-Rheinischen Industriegebietes unter Einschluss der Rheinischen Bucht” (HÖPPNER & PREUSS 1926).

Hans Höppner (Quelle: Wikipedia; Fotoscan: Sciarinen)

Hans Höppner

Was beinhaltet die “Flora”? Zunächst werden alle zu der Zeit im Gebiet des Niederrheins vorkommenden Pflanzen beschrieben. Dazu werden für die einzelnen Arten Hinweise über ihre ökologischen Ansprüche und – das ist heute besonders wichtig – recht genaue Angaben über ihr Vorkommen gegeben. Diese Angaben konnte HÖPPNER nur machen, weil er auf vielen langen Wanderungen die Pflanzen gesehen und ihr Vorkommen ordentlich dokumentiert hatte. Zur einwandfreien Dokumentation gehört aber auch das Anlegen einer Sammlung von Pflanzen, die sachgemäß in einer Pflanzenpresse getrocknet, anschließend auf Papier aufgeklebt und mit einem Etikett dauerhaft beschriftet sind. In einem “Herbarium” werden solche “Belege” verwahrt.

Hans HÖPPNER hat auf diese Weise viele Pflanzen herbarisiert und so erhalten. Manches Herbarblatt hat Hans HÖPPNER an andere Botaniker und Sammlungen weggegeben, so dass sich heute von ihm gesammelte Belege sogar in bedeutenden, großen Naturkundlichen Museen befinden. Für solche Exsikkate oder ganze Sammlungen gab es vor allem im 19. Jahrhundert Liebhaber, so dass Herbarien regelrecht gehandelt wurden. Ein wesentlicher Teil der Höppner´schen  Sammlung  blieb in aber Krefeld. Soweit uns bekannt, lagerte sie am Ende des 2. Weltkriegs  auf dem Dachboden einer Schule in Oppum. Durch die Kriegs- oder Nachkriegsumstände sind zum Teil Wasserschäden entstanden, die aber vor allem die Pappdeckel betrafen, mit denen die Herbarblätter umhüllt waren.

Etwa 1965 begann Paul GOTTSCHOLL, der damalige Leiter des Botanischen Gartens in Krefeld, den vorhandenen Bestand zu ordnen und in Karteikarten handschriftlich zu katalogisieren (vgl. GOTTSCHOLL 1968). Nach seinem Tode hat Prof. Dr. Günther Friedrich das Herbarium bis 2013 betreut und eine Exceldatei angelegt. Nach mehreren Umzügen befindet sich das Herbarium jetzt  in einer ehemaligen Schule in Krefeld, wo sich bereits eine Insektensammlung befand. 2013 hat die Leiterin des Botanischen Gartens, Frau Birgit Loy, die Verantwortung für das Herbarium übernommen.

Neben fertig präparierten und beschrifteten Herbarblättern beinhaltet das Herbarium auch von Höppner gesammelte Pflanzen, die noch so wie sie gepresst wurden in Zeitungspapier liegen. Sie sind allerdings mit Fundort und Datum versehen, so dass sie wissenschaftlich den gleichen Wert besitzen wie die ordentlich aufgezogenen Belege.

Zum Bestand gehören auch Pflanzen, die vor allem von Prof. Albert Steeger gesammelt wurden. Viele stammen nicht vom Niederrhein. Sie waren für die Schausammlung des Naturkundlichen Museums Krefeld gedacht. Dieses Museum lag auch Höppner besonders am Herzen. Er hat nach dessen Zerstörung Ende des Krieges und danach neue Herbarblätter dafür angelegt.

Das Herbar Niederrhein besitzt auch zwei hinterlassene Sammlungen von Mitgliedern der botanischen Arbeitsgemeinschaft. Besonders umfangreich ist eine Sammlung von Seggen (Carex)- Arten des verstorbenen rheinischen Botanikers Dipl. Ing. Kurt Rehnelt, Düsseldorf. Außerdem hat der leider 2009 verstorbene erste Vorsitzende Dr. Karl-Heinz Knörzer aus Neuss seine Herbarblätter aus dem Rheinland dem Herbarium Niederrhein hinterlassen.

Wozu wird ein niederrheinisches Herbarium benötigt?

Knabenkraut

Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata)

Jeder weiß, dass unsere Landschaft einem ständigen Wandel unterliegt. Flächenverbrauch durch Bebauung und Veränderungen der landwirtschaftlichen Nutzung führten und führen zu stetigen Verlusten an Standorten vor allem für sensible Pflanzenarten. Darüber hinaus werden vom Menschen absichtlich und unabsichtlich Pflanzen aus fernen Ländern eingeschleppt, die sich einbürgern. Herbarien sind geeignet, den Wandel der Flora zu dokumentieren. Speziell in unserer niederrheinischen Landschaft sind die ausgedehnten Niedermoore und andere Feuchtgebiete durch Trockenlegung verloren gegangen. Da kann es nicht verwundern, wenn Höppner auf manchen Blättern geschrieben hat, dass der Fundort durch Melioration verloren gegangen ist. Besonders intensiv hat sich Höppner mit Orchideen und Laichkräutern (Potamogeton) beschäftigt. Aus diesen beiden Gruppen finden sich daher auch viele Belege von besonders großer Bedeutung, weil es sich z.T. um Pflanzen handelt, über die Höppner wissenschaftliche Arbeiten publiziert hat. Der Formenreichtum der Orchideengattung Dactylorhiza am Niederrhein hat Höppner besonders intensiv beschäftigt, er hat dazu eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten publiziert. Er war speziell auf dem Gebiet der Orchideenhybriden eine ausgewiesene Autorität. Für jede erneute Bearbeitung dieser Pflanzensippen unter modernen Gesichtspunkten sind die Krefelder Belege unersetzbare Originale. Sie  wurden u.a.  für die Monographie “Die Orchideen Nordrhein-Westfalens” herangezogen (Arbeitskreis Heimische Orchideen 2001). Ohne Vergleich mit Originalmaterial ist eine Neubearbeitung kritischer Sippen praktisch nicht möglich. Regelmäßig kommen daher auch Anfragen von Fachbotanikern mit der Bitte um Auskunft, ob von bestimmten Pflanzenarten Belege vorhanden sind. Solche Auskünfte führen vielfach dazu, dass der betreffende, in der Regel junge Botaniker, sich die Pflanzen in der Sammlung ansieht, im Einzelfall auch ausleiht, so wie das in anderen wissenschaftlichen Sammlungen auch üblich ist. Ein weiteres Beispiel sind die Laichkräuter (Gattung Potamogeton), die ehemals in großer Artenvielfalt in den Gewässern des Niederrheins zu finden waren. Klaus VAN DE WEYER (1991)  hat neben seinen eigenen Untersuchungsergebnissen zur Verbreitung des Spitzblättrigen Laichkrauts (Potamogeton acutifolius) wesentliche Informationen aus dem Studium der Höppner´schen Pflanzensammlung gezogen. Er, wie auch der verstorbene rheinische Botaniker Kurt REHNELT (1983), haben daher einige ihrer Arbeiten als “Mitteilungen aus dem Archiv Hans Höppner” deklariert. Diese wenigen Beispiele mögen genügen um zu illustrieren, dass es sich bei der niederrheinischen Botanischen Sammlung um ein wertvolles, auch in Zukunft wichtiges naturwissenschaftliches Archiv handelt, das “klein aber fein” nachhaltig der Erforschung der Pflanzenwelt und der Heimatpflege dient.

Kurzprofil des Herbariums Niederrhein

Eigentümerin ist die Stadt Krefeld, betreut und genutzt wurde das Herbar seit seiner Gründung 1965 von der Botanischen Arbeitsgemeinschaft im Verein Niederrhein, zunächst von  Gartenoberinspektor Paul Gottscholl, Leiter des Botanischen Gartens der Stadt, nach seinem Tode bis 2013 von Prof. Dr. Günther Friedrich. Seitdem hat die Leiterin des Botanischen Gartens der Stadt Krefeld, Frau Birgit Loy, die Verantwortung übernommen.

Das Herbarium ist geordnet nach Familien entsprechend Oberdorfer, E. „Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Süddeutschland“ 1962, innerhalb der Familien und Gattungen alphabetisch. Es besteht aus ca. 3000 Belegen von Blütenpflanzen und einigen Farnen.

  • Besonders hervorzuheben sind die Belege der Gattung Potamogeton, der Orchideen und Sumpf- bzw. Moorpflanzen von Standorten, die schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zerstört worden sind.
  • Belege von Hans Höpper und Albert Steeger: Dabei handelt es sich um Sammlungen ab etwa 1906 bis 1912. Vorwiegendes Sammelgebiet waren der linke Niederrhein westlich von Krefeld und die Moore bei Gennep, dicht hinter der Landesgrenze in den Niederlanden.
  • Aus den Jahren 1926-1930 liegen zudem Belege von Höppner, Steeger und anderen aus den Alpen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien vor.
  • Belege aus Westfalen, der Eifel und anderen Deutschen Landschaften sind ebenfalls vorhanden, dazu wenige sehr alte Belege z.B. von Wirtgen.

Viele Belege tragen Etiketten mit der Aufschrift: „Naturwissenschaftliches Museum Krefeld“ und eine Nummer. Bei der Bombardierung Krefelds 1943 wurde auch das von Höppner betreute Herbarium des Naturwissenschaftlichen Museums zerstört. Dabei ging ein unbekannt großer Teil des Herbars verloren. Viele Belege dieser Schausammlung enthalten leider  nur regionale Angaben und  keine zum Funddatum. Ab dem Frühjahr 1944 hat Höpper begonnen, das Herbar für ein wieder zu errichtendes Museum wieder aufzubauen.

  • Erweitert wurde die Sammlung durch das hinterlassene Herbarium von  Dr. Karl-Heinz Knörzer aus  Neuss,  dem langjährigen  Leiter der Botanischen Arbeitsgemeinschaft im Verein Linker Niederrhein (jetzt Verein Niederrhein).
  • Außerdem wurde ein Teil des Herbariums von Ing. Chem. Kurt Rehnelt durch  seine Erben dem Krefelder Herbar übergeben.
  • Weiterhin sind noch verschiedene Belege mit ungenügenden Informationen von Höpper und Steeger vorhanden.

Über die von Höppner an andere Botaniker bzw. Sammlungen weitergegeben oder verkauften Herbarblätter ist nichts bekannt. Es gibt aber viele Belege im Westfälischen Naturkundemuseum in Münster. Auch das z.Zt. aufgelöste Fuhlrottmuseum  in Wuppertal hat viele Belege besessen.

  • Außerdem sind einige Fotoalben von Höppner vorhanden. Es sind sehr  stark nachgedunkelte S/W-Fotos von Pflanzen und Standorten aus den Jahren 1912 – 1915 mit Angabe der Fundorte und des Datums. Daher sind sie auch als echte Belege zu werten. Die dazu gehörenden Informationen sind dokumentiert.

Vom Gesamtbestand des Herbariums Niederrhein gibt es eine Exceltabelle. 2013 wurde das Herbarium im Naturkundemuseum Münster konservatorisch versorgt und digitalisiert.

Ansprechpartner bezüglich des Herbars ist Frau Birgit Loy, Botanischer Garten Krefeld,  Telefon: 02151 54 05 19, Email: botanischer.garten@krefeld.de. Auskünfte zum Bestand  erteilt auch Prof. Dr. Günther Friedrich, Tel. 02151 73 06 94 oder Email: Friedrich-Krefeld@t-online.de.

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